Auf dem Weg

‚Die Straßen werden ab sofort immer kleiner, wenn ich mich richtig erinnere‘, antwortet er, ‚Irgendwie werden wir es schon finden – auch ohne Karte.‘

Vierzig Grad
Hinter uns
die Staubwolke

Er wählt die rechte Abbiegung, und schaltet mit großen Hebelbewegungen bis in den fünften Gang. ‚So langsam kommen schon die Konturen der Hügel heraus‘ sagt sie, während sie  die Sonnenblende nach vorne dreht, und starrt für ein paar Minuten aus dem Beifahrerfenster, ‚Hätten wir doch nur nicht die Pässe liegen gelassen.‘ Die nutzlosen kleinen Lautsprecher sind längst wieder verstaut, und so hören beide den Geräuschen des alten Jeeps zu.

Mittagshitze
Ein Blick mit großen Augen
in die Wildnis

‚Ein Schild, ein grünes Schild!‘ in der Größe eines Briefumschlags zeigt an, dass die hölzernen Telefonmasten nicht mehr den Weg weisen. Nur der endlose Zaun aus Stöcken und Draht begleitet sie noch.
‚Willkommen. Es sind nur noch zwanzig Kilometer,‘ murmelt schließlich die Dame im Rangeroutfit, die schon seit einer halben Stunde Feierabend hat. Während sie einen Schlüssel und drei wurmstichige Pakete Feuerholz aushändigt, weist sie auf ein Notfunkgerät vor Ort hin. ‚Haben Sie genug Wasser dabei?‘

Nur schnell
vor der Dunkelheit
die Taschen raus

Eine schlichter, weiß gestrichener Betonzylinder markiert den höchsten Punkt des Wüstenberges. Sie zerrt eine Schampusflasche aus der Kühltruhe, die am Morgen noch warm im Supermarkt stand. ‚Der Korken wird gut fliegen, geschüttelt wie sie ist,‘ lächelt sie, ‚Über Stock und Stein.‘ Während er den Draht der Kappe entfernt nähert sich die Sonne langsam dem Horizont.

Tränen im Staub
Die Weite des Planeten
Karoo

Im Scheinwerferlicht entdecken sie die Stelle, an der sie vorhin vier Rentner mit Gläsern in der Hand gegrüßt hatten. ‚Zu holprig,‘ hatte er vermutet, und sich insgeheim auf die Einsamkeit gefreut. ‚Es dürfte nicht mehr weit sein.‘ Das Wüstenhaus am sanften Ausläufer des Berges erhellt sich mit jeder Petroleumlampe, die sie gemeinsam anzünden, während das Feuer im Grill herunterbrennt. Bevor sie erhitzt einschlafen, liegen sie noch einen Moment regungslos da.
‚Komm mal mit raus,‘ flüstert sie zwei Stunden vor Sonnenaufgang.

Nichts
In die Stille sinkt
der Wüstenmond

zwischen den Sternen
ein Seufzen

(Auszug aus: ‚Staubige Straßen – ein Reisetagebuch, Piotr Bratzki 2013‘)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.